1. Warum in der Kirche sein?
Es gibt Menschen, die sagen: „Ich kann auch ohne die Kirche an Gott glauben!“ Mag schon sein,
dass man das kann – aber wie konkret und wie lebensfreundlich kann ein solcher Glaube im
luftleeren Raum sein? Sicher ist die Kirche Jesu Christi nicht deckungsgleich mit den
Mitgliederkarteien der großen christlichen Konfessionen. Dennoch gilt: Der christliche
Glaube will sichtbar vertreten und gelebt sein. Und es gehört zu seinem Wesen, dass er
die Gemeinschaft mit anderen Christen braucht. Dafür ist die Kirche da. Damit die Wahrheit
des Glaubens in unserer Gesellschaft einen Raum hat. Dort erleben Menschen die befreiende
und versöhnende Kraft des Glaubens. Dort erleben sie, dass sie auch mit ihren Fragen und
Zweifeln und auch mit ihrem Versagen dazugehören. Denn die Kirche ist ja nicht der >Verein
der besseren Menschen<. Es spricht gar nicht gegen die Kirche und unsere Gemeinde, dass es
in ihr manchmal menschlich-fehlerhaft zugeht. In ihr versammeln sich Menschen, die um die
eigene Schwäche wissen und sich ihre Stärke immer wieder von Gott schenken lassen.
2. Welche Anlässe gibt es?
Vielleicht haben Sie schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken gespielt, zur Kirche zu gehören.
Der Wunsch nach einer kirchlichen Trauung, der tägliche Anblick einer Kirche auf dem Weg zur Arbeit
– die Anlässe, die das Thema Kirche und Glauben wieder ins Blickfeld nehmen, können sehr
verschieden sein. Die Bitte, anlässlich einer Taufe die Patenschaft für ein Kind zu übernehmen,
kann ebenso Anstoß für eine Annäherung an die Kirche sein, wie ein Buch, eine Fernsehsendung,
ein Gespräch oder schlicht die Teilnahme am Konfirmandenunterricht, der zunächst nur aus
Neugierde oder wegen der Freunde angefangen worden war.
Es werden wieder mehr, die in die Kirche eintreten. Im Bereich der Evangelischen Kirche
von Westfalen wollen pro Jahr über 5.000 Menschen zur Kirche dazugehören. Mit steigender Tendenz.
Es sind religionsmündige Jugendliche und Erwachsene, die meinen, dass Religion mehr sein sollte
als eine Privatsache, die man mit sich und mit seinem Gott im stillen Kämmerlein abmacht.
Mit ihrem Eintritt sagen sie: Der christliche Glaube braucht die Gemeinschaft von Menschen,
er braucht auch das organisierte Engagement für Schwache und Hilfsbedürftige.
3. Was sind die Voraussetzungen?
Im Prinzip gibt es nur eine einzige Voraussetzung zur Mitgliedschaft: Das ist die Taufe.
Ein nicht geringer Teil der neuen Mitglieder ist vor ihrem Eintritt noch ungetauft.
Für sie ist die Aufnahme in der Kirche deshalb mit einer besonderen Erfahrung verbunden:
mit dem Erlebnis der eigenen Taufe. Dieser Fall ist zwar nicht die Regel (siehe auch die
Ausführungen auf dieser Homepage zum Stichwort >Taufe<), aber auch keineswegs eine große
Seltenheit. Obwohl in der Evangelischen Kirche die Kindertaufe üblich ist,
sind Erwachsenentaufen nichts Ungewöhnliches. Sie werden in letzter Zeit sogar häufiger.
Ungetauft kann man jedoch nicht Mitglied der Kirche werden. Die Taufe ist das sichtbare
Zeichen und Sakrament der Aufnahme in der Gemeinschaft der Christen und deshalb auch
Voraussetzung der Kirchenmitgliedschaft. Dabei werden in der Evangelischen Kirche von
Westfalen auch die Taufen anerkannt, die in anderen Konfessionen vollzogen worden sind,
denn die Taufe ist nach unserem Verständnis einmalig und unwiederholbar. Sie wird deshalb
auch dann nicht ungültig, wenn man aus der Kirche ausgetreten ist.
4. Was muss man tun?
Sie sollten mit jemandem sprechen. Dazu stehen Ihnen zwei Möglichkeiten offen:
1. Sie suchen das Gespräch mit Ihrem zuständigen Pastor bzw. Ihrer zuständigen Pastorin,
die dann zu Ihnen nach Hause kommt und sich Zeit für Sie und für Ihre Fragen nehmen wird.
Für den Gemeindebezirk Voerde-Nord ist das Pfarrer Armin Kunze (Tel. 3514), für den Gemeindebezirk
Voerde-Süd Pfarrerin Klaudia Fischer (Tel. 602015), für den Gemeindebezirk
Altenvoerde Pfarrer Andreas Schulte (Tel. 2217) und für die Gemeindebezirke Oberbauer und Hasperbach
Pfarrerin Anja Martin (Tel. 89390). Wenn Sie sich nicht ganz sicher sein sollten, zu welchem
Gemeindebezirk Sie gehören, finden Sie auf dieser Homepage unter dem Menüpunkt >Pfarrbezirke<
eine detaillierte Zuordnung nach dem Straßenverzeichnis.
2. Seit neuestem gibt es noch einen weiteren Weg: Sie besuchen eine der sog. Wiedereintrittstellen,
die nach und nach in ganz Deutschland eingerichtet werden. Auch dort erfolgt der Wiedereintritt
nach einem Gespräch mit dem in der Wiedereintrittsstelle diensthabenden Pastor bzw. Pastorin.
Und auch hier werden Sie dann automatisch Mitglied Ihrer Ortsgemeinde. Die nächste
Wiedereintrittsstelle in unserer Umgebung befindet sich im Kreiskirchenamt in Schwelm in
der Potthoffstr. 40. Die genauen Öffnungszeiten dieser Wiedereintrittsstelle können Sie unter
der Telefonnummer 02336/400311 erfragen.
In beiden Fällen geht es in den Gesprächen nicht um eine Glaubensprüfung. Wenn Sie früher
einmal ausgetreten sind, müssen Sie Ihre Entscheidung nicht nachträglich rechtfertigen.
Das Gespräch soll vielmehr Ihrer Beratung und Orientierung dienen. Ihre Fragen stehen dabei
im Mittelpunkt. Sie haben Gelegenheit, offen über Ihre Erfahrungen mit der Kirche zu
sprechen – auch über negative Erfahrungen. Sie können erst einmal fragen und selbstverständlich
unbedrängt nach Hause gehen, um sich den Schritt zu überlegen.
Wenn Sie entschlossen sind, (wieder) zur Kirche zu gehören, ist der weitere Weg nicht kompliziert:
Man wird Sie bitten, einen Antrag auf Aufnahme in die Evangelische Kirche zu unterschreiben, mit
der Sie Mitglied unserer Kirchengemeinde werden. Es besteht dann die Möglichkeit, den Eintritt
in unsere Gemeinde öffentlich im Gottesdienst mit einer Segenshandlung zu vollziehen; es kann
aber auch in einem kleineren Rahmen geschehen. Sie können auch ganz darauf verzichten, obwohl
die Erfahrung zeigt, dass es gut tut, für diesen Schritt auch um den Segen Gottes zu
bitten – in welcher Form auch immer das geschieht. Aber das liegt in Ihrem Ermessen.
5. Muss es unbedingt die Ortsgemeinde sein?
Im Prinzip ja. Offiziell aufgenommen werden Sie durch einen Beschluss des zuständigen Presbyteriums
(das sich übrigens über jeden Aufnahmeantrag freut!). Für unsere Stadt Ennepetal bedeutet das konkret:
Je nachdem, wo Sie wohnen, werden Sie Mitglied der Kirchengemeinde Voerde, der Kirchengemeinde
Milspe oder der Kirchengemeinde Rüggeberg, und in den drei Gemeinden werden Sie dann nach Wohnort
den jeweiligen Gemeinde- oder Pfarrbezirken zugeteilt, für die bestimmte Pastoren bzw. Pastorinnen
zuständig sind.
Vorgespräche, in denen Sie Ihre Fragen stellen und Ihre eigene Position klären, können Sie natürlich
auch mit einem anderen Pastor oder einer anderen Pastorin führen. Da mag es ja vielleicht jemanden
in Ihrem Bekanntenkreis geben. Wenn Sie sich aber entschlossen haben, Mitglied der Kirche zu werden,
wird der Kontakt zur Gemeinde nötig. Das macht auch Sinn. Denn bei aller evangelischen Freiheit, die
Angebote verschiedener Gemeinden zu nutzen, bietet das Prinzip der Ortsgemeinde eine gewisse
Grundbeheimatung, die man nicht gering schätzen sollte. Sie brauchen dabei nicht zu befürchten,
dass man Sie in unserer Gemeinde nun wegen Ihres Schrittes kritisch beäugt. Im Gegenteil:
Wir freuen uns ehrlich über Menschen, die dazugehören wollen.
Wenn Sie allerdings eine besondere Bindung an eine andere als Ihre Wohnsitzgemeinde haben und es
die örtlichen Gegebenheiten zulassen, dass Sie am kirchlichen Leben dieser Gemeinde teilnehmen,
dann können Sie als Ausnahmeregelung auch die Mitgliedschaft in dieser Ihrer >Wunschkirchengemeinde<
beantragen.
6. Wie kann es dann weitergehen?
Die Kirchentür ist offen. Wir wollen Ihnen nichts aufdrängen oder gar aufschwätzen. Wir laden Sie ein,
in unsere Gottesdienste zu kommen, das Abendmahl zu feiern und die Kraft des christlichen Glaubens zu
entdecken. Sie macht lebendig und befreit.
Wir laden Sie ein, in unserer Gemeinde mitzureden und mitzubestimmen. Vielleicht werden Sie dann
die Erfahrung machen, dass Kirche oft ganz anders ist, als man es sich von außen betrachtet vorstellt.
Offen und vielfältig. In unserer Gemeinden ist das Gruppenangebot groß. Für jeden ist eigentlich etwas
dabei.
Aber es bieten sich auch konkrete Formen der Mitbestimmung an, die Ihnen ohne Einschränkung offen
stehen. Sie können die Leitung unserer Kirchengemeinde (das Presbyterium) mitwählen und selbst dafür
kandidieren. Sie können sich Gruppen anschließen, die Ihren Interessen entsprechen. Sie haben das Recht,
alle Formen der seelsorgerlichen Begleitung in Anspruch zu nehmen, und Sie sind natürlich bei allen
Veranstaltungen herzlich willkommen. Nicht zuletzt erhalten Sie regelmäßig unseren
Gemeindebrief >Lebenszeichen<, der über alle Belange unseres Gemeindelebens informiert und 4x pro
Jahr erscheint.
7. Und was kostet das?
Der Eintritt selbst kostet natürlich nichts. Als Mitglied der Kirche werden Sie – sofern Sie Lohn-
oder Einkommenssteuer zahlen – Kirchensteuer zahlen. Die beträgt 9% der Lohn- und Einkommenssteuer
und ist eigentlich ein Mitgliedsbeitrag, der auf die finanzielle Leistungskraft des Einzelnen
Rücksicht nimmt. Denn dass die Kirchen nicht ohne finanzielle Mittel in dieser Welt existieren können,
liegt auf der Hand. Was aber zum Beispiel die Evangelische Kirche von Westfalen mit dem Geld macht,
das ihre Mitglieder ihr anvertrauen, darüber legt sie sorgfältig und öffentlich Rechenschaft ab.
Darüber kann sich jeder informieren.
8. Noch ein paar Worte zum Schluss
Wir können jeden Tag neu anfangen. Von dieser Überzeugung lebt der evangelische Glaube.
Wir können neu anfangen. Mit Gott und mit der Kirche, mit den anderen und mit uns selbst.
Gott schenkt neue Hoffnungen, sein Geist befreit zum Leben und ermutigt zur Liebe.
„Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“, schreibt der Apostel Paulus im 2. Brief
an die Gemeinde von Korinth.
Von dieser Freiheit muss auch im Blick auf die Kirchenmitgliedschaft die Rede sein, denn gerade
dies ist ein Ausdruck dafür, dass wir immer noch eine Volkskirche sind, in der ganz unterschiedliche
Menschen mit unterschiedlichen Frömmigkeitsformen ein Zuhause finden sollen. Deshalb haben Sie die
Freiheit, wie Sie Ihre neu erworbene Kirchenmitgliedschaft konkret ausgestalten. Unsere Gemeinde
freut sich natürlich, wenn Sie rege an unserem Gemeindeleben teilnehmen. Aber Sie sind nicht weniger
gern gesehen, wenn Sie Ihre Kirche nur hin und wieder aufsuchen.
Übrigens berichten Menschen, die wieder in die Kirche eingetreten sind, von recht positiven
Erfahrungen: Zum Beispiel, dass die Gottesdienste, die sie besuchten, oft gar nicht dem Vorurteil
von >Langeweile< und >Steifheit< entsprachen. Diese eine Stunde am Sonntagmorgen kann dazu beitragen,
dass Menschen in der Hektik des Alltags wieder zur Besinnung kommen. Und wer hätte das nicht ab
und zu nötig? Doch es bleibt dabei: Sie sind eingeladen und nicht >moralisch verpflichtet<.
Vielleicht aber gibt es da mehr für Sie zu entdecken, als Sie auf den ersten Blick vermuten.
Probieren Sie es einfach aus!
Die Kirche und unsere Gemeinde ist ein Ort, wo Menschen mit ihren Bedürfnissen und Fragen ernst
genommen werden. Ein Ort der Vergewisserung über das, was mein Leben trägt und ihm Sinn gibt,
ein Ort, wo man Menschen findet, an die man sich wenden kann – in guten und in schlechten Tagen.
Und es ist ein Ort, wo Menschen mit ihren Fähigkeiten und Begabungen gebraucht werden. Wer die
Frage stellt: „Was habe ich davon, in der Kirche zu sein?“, wird beim zweiten Nachdenken sagen
können: „Gar nicht mal so wenig!“
Für weitere Fragen steht Ihnen unser Pfarrkollegium gerne zur Verfügung.