1609 – 1666: Jülich-Klevischer Erbfolgestreit zwischen dem Kurfürstentum Brandenburg und der
Pfalzgrafschaft Pfalz-Neuburg um die so genannten jülich-klevischen Länder, die Herzogtümer Berg, Jülich
und Kleve sowie die Grafschaften Mark und Ravensberg.
1609: Der Tod des kinderlosen Herzogs Johann Wilhelm, mit dem das jülich-klevische Herzogshaus im
Mannesstamm erlischt, löst den Jülich-Klevischen Erbfolgestreit aus, der später, im Dreißigjährigen Krieg,
auch für Voerde noch äußerst verhängnisvolle Folgen haben soll.
Zunächst einigen sich die beiden mächtigsten Erben des Verstorbenen, Kurfürst Johann Sigismund von
Brandenburg und Pfalzgraf Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg, 1609 im "Dortmunder Rezess" noch auf eine
gemeinsame Verwaltung der jülich-klevischen Länder.
1610: Nach dem Tod seines Vaters, des Hagener Pfarrers und angeblichen Hagener Reformators Johannes
Wippermann d. J., am 6.10.1610 unterzeichnet der Voerder Pfarrer Melchior Wippermann eine Eingabe der
Hagener Katholiken mit, in der um die Einsetzung eines katholischen Pfarrers in Hagen gebeten und in
der ausgeführt wird, Johannes Wippermann sei bis zu seinem Tod katholisch gewesen.
2./3.10.1612: Der lutherische Vikar und Rektor Melchior Ebbinghaus (nicht der Pfarrer Melchior Wippermann!)
nimmt an der ersten lutherischen märkischen Generalsynode in Unna teil, mit der die lutherische Kirche
in der Grafschaft Mark gegründet wird.
1614: Nach ernsten Konflikten um die jülich-klevischen Länder einigen sich Kurbrandenburg und
Pfalz-Neuburg
im Xantener Vertrag vom 12.11.1614 auf eine Teilung des Erbes: Das Herzogtum Kleve sowie die Grafschaften
Mark und Ravensberg kommen an Kurbrandenburg, die Herzogtümer Berg und Jülich an Pfalz-Neuburg.
1618 – 1648: Dreißigjähriger Krieg.
1619: Der Voerder Pfarrer Melchior Wippermann liest auf Haus Dahl in Dahl a. d. Volme für den
verstorbenen lutherischen (!) Gumprecht von Kalle auf Wunsch von dessen katholischer (!) Witwe eine
katholische Seelenmesse.
1622: Mit Pfalz-Neuburg verbündete spanische Truppen besetzen im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges
zum ersten Mal auch Voerde.
Der lutherische Vikar und Rektor Melchior Ebbinghaus wird aus seinen Voerder Ämtern vertrieben und
entweicht nach Bochum. Dort ist er nach zeitgenössischen Berichten als Pfarrer der lutherischen Gemeinde
von spanischen Truppen grausam gefoltert worden und vermutlich 1627 an den Folgen der erlittenen
Misshandlungen gestorben.
Pfarrer Melchior Wippermann verblieb in seinem Voerder Amt und hat in dieser Zeit die Gottesdienste
und kirchlichen Amtshandlungen offenbar wieder in streng katholischem Ritus durchgeführt.
1622/23: Nach dem Abzug der spanischen Besatzung aus Voerde wählen die Eingesessenen des Kirchspiels
den aus einer alten Voerder Familie stammenden Melchior Freymann zum Vikar und Rektor. Auch er ist betont
lutherischen Bekenntnisses. Es wird berichtet, dass Pfarrer Melchior Wippermann auch mit ihm das
Abendmahl wieder in beiderlei Gestalt (Brot und Wein) gereicht hat.
1627: Spanische Truppen besetzen Voerde zum zweiten Mal und hausen hier nach zeitgenössischen
Berichten noch ärger als 1622. Über das Schicksal des lutherischen Vikars und Rektors Melchior
Freymann in dieser Zeit ist nichts bekannt. Er dürfte aber 1634, also auch lange nach dem Abzug
der Spanier, noch im Amt gewesen sein, denn die Voerder Kirchenrechnung für die Jahre 1627 bis 1640
verzeichnet 1633 und 1634 noch Ausgaben für den Vikar, ohne allerdings dessen Namen zu nennen.
1628: In der Kirchenrechnung für die Jahre 1627 bis 1640 findet sich unter dem Jahr 1628 der erste
Hinweis auf ein Geläut der Voerder Kirche, das wohl schon damals aus drei Glocken bestanden hat.
Größe, Gewicht und Tonart der Glocken sind aber nicht überliefert.