1635/36: Die Pest grassiert in der Grafschaft Mark und rafft auch in Voerde viele Menschen dahin.
Ihr erliegt – wohl Anfang 1636 – auch der Pfarrer Melchior Wippermann.
1636: Der seit 1623 in Hagen amtierende katholische Pfarrer Georg Kellermann setzt Ende Februar /
Anfang März 1636 den vom Hof Bülbringen in der Oberbauer stammenden, betont katholischen Martin
Bülbring in das Voerder Pfarramt ein.
Martin Bülbring, zuvor Priester in Köln, ist der Sohn des Voerder Kirchmeisters Steffen (Stephan)
Bülbring. Er stirbt schon Anfang September 1636 und wird am 6.9.1636 auf dem Voerder Kirchhof beigesetzt.
Offenbar wurden er und seine Eltern ebenfalls Opfer der Pest, denn seine Mutter starb am 3., sein Vater
am 5.9.1636.
1636 – 1638: Die Überlieferung will wissen, dass die entschiedenen Voerder Lutheraner während der
Amtszeit des katholischen Pfarrers Martin Bülbring ihre Gottesdienste nicht in der Voerder Kirche,
sondern im "Klosterhaus" oder auch "Steinernen Haus" am Bilstein in der Oberbauer (heute Haus Bilstein 2)
mit dem lutherischen Schwelmer Vikar Hermann Cramer gefeiert haben. Indizien hierfür finden sich in der
Voerder Kirchenrechnung für die Zeit von 1627 bis 1640 unter dem Jahr 1637.
Nach dem Tod des Pfarrers Martin Bülbring war die Voerder Pfarrstelle etwa 1 ½ Jahr vakant. Auch in
dieser Zeit betreute der lutherische Schwelmer Vikar Hermann Cramer die Voerder Gemeinde. Der
lutherische Voerder Vikar Melchior Freymann ist demnach damals nicht mehr im Amt gewesen.
1638: Der seit 1636 in Volmarstein und Hagen amtierende lutherische Pfarrer Petrus Borberg setzt in
der Fastenzeit 1638 den prononciert lutherischen Adam Messing in das Voerder Pfarramt ein. Messing
wird es über 46 Jahre ausüben. Seine überlieferte Grabsteininschrift von 1684 besagt, dass er Voerde
"vom Pabsthum gantz befreyt" habe.
Wohl schon bald nach seiner Einsetzung wird die Marienvikarie aufgelöst. Ihr Vermögen und ihre
Einkünfte fallen offenbar je zur Hälfte dem Pfarrfonds und dem neu gebildeten kirchlichen Schulfonds
zu. Das alte Vikarienhaus wird Schulhaus.
1663 – 1666: In Düsseldorf erscheint eine anonyme katholische Schrift "Brandenburgisches
Sündenregister", in der u. a. auch auf die Voerder Kirche Anspruch erhoben wird, weil sie
"bis ins Jahr 1630 katholisch bedient und folgends von den Lutheranern eingenommen worden"
sei. Daraufhin fordert die kurbrandenburgische Regierung in Kleve das Voerder Konsistorium
(den lutherischen Kirchenvorstand) zur Stellungnahme auf, die mit zwei Berichten vom März 1664
und vom Juni 1666 erstattet wird. Diese beiden Berichte liegen der Darstellung des Reformationsverlaufs
in Voerde in dieser Zeittafel zugrunde.
1664: In diesem Jahr erhält die Voerder Kirche ihre erste Orgel, die ihren Standort auf einer
Orgelbühne an der Westseite (Turmseite) der Kirche hat. Der Name des Orgelbaumeisters, der Ort
seiner Werkstatt und die Disposition der Orgel sind unbekannt.
1666: Durch den Vertrag von Kleve vom 9./19.9.1666 wird der Jülich-Klevische Erbfolgestreit
zwischen Kurbrandenburg und Pfalz-Neuburg endlich beigelegt: Das Herzogtum Kleve sowie die
Grafschaften Mark und Ravensberg fallen endgültig an das Kurfürstentum Brandenburg, die Herzogtümer
Berg und Jülich endgültig an die Pfalzgrafschaft Pfalz-Neuburg. Kaiser Leopold I. bestätigt den
Vertrag aber erst am 17.10.1678.
1672: Eine endgültige Regelung der kirchlichen Verhältnisse in den vormals jülich-klevischen Ländern
bringt der Religionsvergleich von Cölln a. d. Spree (heute Berlin-Neukölln) vom 6.5.1672. Mit ihm
findet auch die lutherische Reformation in Voerde rechtlich endlich ihren Abschluss: Das Kirchspiel
Voerde bleibt lutherisch.